„Wir sind in der Realität angekommen...“
Thomas Behrendt, 29.08.2026
Trotz des schwierigen Landesklasse-Auftakts bleibt der Blick beim Aufsteiger SV Empor Buttstädt nach vorn gerichtet – für Kapitän Julian Rockel ist die Saison noch lange nicht entschieden.
Im Interview mit FuPa Thüringen spricht Julian Rockel über den überraschenden Aufstieg des SV Empor Buttstädt und die ersten Erfahrungen in der Landesklasse. Der Kapitän blickt auf die vergangene Meister-Saison zurück, erklärt, was die Mannschaft trotz schwieriger Rahmenbedingungen auszeichnet und warum der Aufsteiger bewusst auf finanzielle Verstärkungen verzichtet.
FuPa Thüringen: Julian, zunächst einmal der Blick zurück: Ihr seid als Außenseiter Meister der Kreisoberliga Erfurt/Sömmerda geworden und habt euch anschließend geschlossen für das Abenteuer Landesklasse entschieden. Wie blickst du auf den Aufstieg und die Entwicklung der Mannschaft zurück?
Julian Rockel: Zum Aufstieg beziehungsweise Meistertitel muss man einfach sagen, dass uns keiner beziehungsweise kaum einer auf dem Zettel hatte. Wir haben mit einer großen mannschaftlichen Geschlossenheit ein Ziel erreicht, das der „Traum“ für Spieler, Verein und Fans war.
Wenn ich an Leute wie Martin Thiel, Sascha Wirthwein, Sebastian Czichos oder auch mich denke, die alle über ein Jahrzehnt oder noch länger im Männerbereich beziehungsweise Teil dieser Truppe sind oder waren, war das am Ende schon eine Art Genugtuung und die Belohnung für jahrelange Treue und Einsatz.
Die Vorzeichen in Buttstädt sind Jahr für Jahr schwierig. Wir hatten beispielsweise einen Punktabzug von drei Punkten wegen eines fehlenden Schiedsrichters, einen kleinen Kader – getreu dem Motto „Elf Freunde müsst Ihr sein“. Manchmal waren es tatsächlich nicht mehr zum Spiel. (lacht) Dazu gibt es keine finanziellen Mittel. Spieltagsgeld oder Punkteprämien gab es in Buttstädt nicht und wird es auch nicht geben, solange ich noch aktiv dabei sein werde.
Umso schöner war es, dass am Ende der verdiente Aufstieg zu Buche stand. Für mich persönlich war es die „beste“ Kreisoberliga Thüringens. Das ist natürlich eine persönliche Empfindung, aber wir hatten in den vergangenen Jahren öfter Quervergleiche in den Saisonvorbereitungen mit anderen Kreisoberligamannschaften aus anderen Kreisen. Unsere Liga war aus meiner Sicht einfach sehr stark.
Die Mannschaft beziehungsweise diese junge Truppe hat sich dann in einer Abstimmung mit nur einer Gegenstimme geschlossen für das Abenteuer Landesklasse entschieden. Aus meiner Sicht war es absolut richtig, diesen Schritt zu gehen.
FuPa Thüringen: Jetzt ist der Start in der neuen Spielklasse mit bislang null Punkten allerdings ziemlich ernüchternd verlaufen. Was sind aus deiner Sicht die Gründe dafür und wie groß ist tatsächlich der Unterschied zwischen Kreisoberliga und Landesklasse?
Julian Rockel: Ernüchternd oder besser gesagt: Wir sind in der Realität angekommen. (lacht) Von verflogener Euphorie zu sprechen, ist mir aber ein bisschen zu einfach. Man muss schon die Hintergründe sehen und klar analysieren.
Wir starten in Buttstädt schon „immer“ dienstags nach dem ersten Juli-Wochenende, also nach dem Buttstädter Pferdemarkt. Dann waren beziehungsweise sind es knapp drei Wochen bis zum ersten Punktspiel gegen Gispersleben. Der komplette Kader stand natürlich auch nicht zur Verfügung, weil es in den Sommerferien für viele die Urlaubszeit mit ihren Familien ist. Aber das ist ja nicht nur in Buttstädt so, sondern überall.
Richtige Neuzugänge gibt und gab es bei uns nicht. Wir sind weit davon entfernt, Spieler mit Geldern davon zu überzeugen, sich Empor Buttstädt anzuschließen. Persönlich würden das auch die Führungsspieler nicht zulassen. Die Truppe, die seit Jahren zusammensteht, sind Freunde – auch über den Fußballplatz hinaus. Wir unterstützen uns gegenseitig, beispielsweise beim Hausbau. Wenn ich an meinen eigenen Hausbau zurückdenke, hat die komplette Truppe an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden Dämmarbeiten verrichtet. Und so war es gefühlt bei jedem aus der Mannschaft, der sich bis heute häuslich niedergelassen hat. Dieser Zusammenhalt macht uns seit Jahren aus und dafür stehen und standen wir bei Empor Buttstädt.
Wir haben vier bis fünf A-Junioren-Spieler zum Kader dazubekommen. Die jungen, dynamischen Spieler brauchen aber noch viel Zeit und müssen erst einmal im Männerfußball ankommen. Das ist meiner Meinung nach völlig normal und logisch. Ich glaube, hier ist es auch Trainersache, die Balance zwischen Druck, Leichtigkeit, Spaß und Krampf zu finden.
Was ein enormer Unterschied zur Kreisoberliga ist, ist die Körperlichkeit. Ich glaube, das ist das Hauptproblem, mit dem wir aktuell zu kämpfen haben. Dazu kommt, dass die gemachten Fehler eiskalt bestraft und effektiver genutzt werden. Von den Mannschaften her haben wir mit Büßleben und Mühlhausen mit Sicherheit gegen zwei Teams gespielt, die bis zum Ende der Saison gemeinsam mit Siemerode um den Titel spielen werden.
FuPa Thüringen: Als Aufsteiger bekommt ihr nun einen deutlich besseren Eindruck davon, was euch in der Landesklasse erwartet. Wie schätzt du die Liga und die Konkurrenz ein – gerade auch im Vergleich zu den Möglichkeiten, die ihr selbst in Buttstädt habt?
Julian Rockel: Natürlich kennt man die Mannschaften aus der eigenen Region, also Erfurt und Sömmerda, durch diverse Duelle der letzten Jahre. Die anderen Mannschaften sind für uns teilweise Neuland. Deshalb kann ich dazu relativ wenig sagen.
Als ich mit Buttstädt das letzte Mal in der Landesklasse war, also 2009 bis 2011, waren wir noch in der Landesklasse Ost unterwegs. Da ging es Richtung Weida, Gera und Altenburg.
Was man so liest und hört, gibt es bei manch anderen Konkurrenten schon andere finanzielle Mittel, die auch kräftig in den Kader investiert werden. Da kann ich mich nur wiederholen: Davon sind wir weit entfernt.
Wir haben einfach eine andere Philosophie. Bei uns steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Wir werden keine Spieler mit finanziellen Anreizen nach Buttstädt holen. Die Mannschaft, die seit Jahren zusammensteht, ist auch über den Fußball hinaus eng miteinander verbunden. Das ist für uns ein wichtiger Teil dessen, was Empor Buttstädt ausmacht.
Ich glaube auch nicht, dass der Aufstieg bei uns im Verein zu einer großen Bewegung geführt hat. Das Augenmerk liegt seit ein paar Jahren auf kontinuierlicher Jugendarbeit. Da mittlerweile, glaube ich, alle Jahrgänge wieder eine Mannschaft haben, steht Buttstädt vielleicht eine bessere Zukunft bevor.
In diesem Atemzug muss man sich auch bei allen Trainern, Betreuern und Eltern bedanken, die dieses zeitintensive und schönste Hobby der Welt unterstützen und möglich machen.
FuPa Thüringen: Du sprichst die Vereinsentwicklung an. Gleichzeitig gibt es aber auch ein Thema, bei dem du sehr deutlich Kritik äußerst: das Schiedsrichterwesen. Wie problematisch ist diese Situation für den Verein und die Männermannschaft?
Julian Rockel: Wo der Verein über Jahre hinweg geschlafen hat – so muss ich das auch in aller Deutlichkeit sagen – ist das Thema Schiedsrichter.
Wenn man sieht, dass jahrelang schon Strafgelder gezahlt wurden, letzte Saison unsere Männermannschaft schon drei Punkte abgezogen bekommen hat – ich will gar nicht daran denken, wenn das der Grund gewesen wäre, nicht aufzusteigen – und dieses Jahr wieder ein Punktabzug von drei bis sechs Punkten für uns im Raum steht, ist das eigentlich nur peinlich.
Gerade wenn man sieht, wie schwierig es ohnehin ist, mit einem kleinen Kader und ohne finanzielle Mittel in der Landesklasse zu bestehen, sind zusätzliche Punktabzüge natürlich extrem bitter. Da muss sich der Verein in meinen Augen schon hinterfragen.
Gleichzeitig muss man aber auch sehen, dass sich im Jugendbereich einiges entwickelt hat. Wenn mittlerweile wieder alle Jahrgänge eine Mannschaft haben, ist das eine gute Grundlage für die Zukunft. Vielleicht kommen daraus irgendwann auch die Schiedsrichter oder Spieler, die der Verein benötigt. Aber das Thema wurde über Jahre vernachlässigt und fällt uns jetzt auf die Füße.
FuPa Thüringen: Trotz des schwierigen Starts: Ihr habt noch eine komplette Saison vor euch. Was möchtest du der Mannschaft und dem Umfeld mit auf den Weg geben – und wie lautet die Devise für die nächsten Wochen?
Julian Rockel: Mit fortschreitendem Alter sieht man es etwas entspannter und macht sich nicht mehr so verrückt wie noch vor 15 Jahren. Wichtig ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen und aus den Fehlern zu lernen. Das Hauptziel ist und muss es bleiben, als Team zusammenzuhalten und diese Geschlossenheit zu zeigen, die uns jahrelang so stark gemacht hat. Die Kritik anhören, wahrnehmen, aber nicht persönlich an sich heranlassen und sich davon runterziehen lassen.
„In guten wie in schlechten Zeiten.“ Soweit ich weiß und als Kaufmann noch rechnen kann, sind noch 81 Punkte zu vergeben. Dann wird abgerechnet. Natürlich müssen wir schnellstmöglich damit anfangen, Punkte zu sammeln – im Idealfall am Sonntag in Wüstheuterode. Und wie sagt unser Innenverteidiger Eddi Oberreich immer so schön: „Anfüttern – Abfetten.“ Vielleicht ist das fortan die Devise für die Saison.
FuPa Thüringen: Vielen Dank, Julian, für die offenen Einblicke und das ausführliche Gespräch. Wir wünschen dir und dem SV Empor Buttstädt für die kommenden Wochen viel Erfolg und vor allem die ersten Punkte in der Landesklasse!
Quelle:FuPa Thüringen